{"id":253,"date":"2019-01-09T18:38:47","date_gmt":"2019-01-09T18:38:47","guid":{"rendered":"http:\/\/russischlehrer-hh.de\/?p=253"},"modified":"2019-01-09T18:51:46","modified_gmt":"2019-01-09T18:51:46","slug":"nachruf-fuer-dr-johannes-baar","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/russischlehrer-hh.de\/?p=253","title":{"rendered":"Nachruf f\u00fcr Dr. Johannes Baar"},"content":{"rendered":"<p>Nachrufe stellen dem Verstorbenen meist ein glorifizierendes Zeugnis aus. Man ist schnell versucht sie nicht zu lesen oder einfach nur zur Kenntnis zu nehmen. Im Nachruf f\u00fcr Dr. Johannes Baar aber liegt viel unserer eigenen (Ausbildungs-) Geschichte. Mit ihm endet eine \u00c4ra besonderer Menschlichkeit im Umgang mit Formalia, Beh\u00f6rdenb\u00fcrokratie und autorit\u00e4rem Gehabe. Er war lange im Hamburger Schulwesen und sehr lange in der Verantwortung\/Schulaufsicht f\u00fcr Gymnasien t\u00e4tig. Und doch hat er immer wieder Zeit gefunden, die Sache des Russischunterrichts voranzubringen. Nat\u00fcrlich kam ihm dabei sein unglaubliches Wissen und Verhandlungsgeschick zugute.<\/p>\n<p>Zusammen mit Kai Sieveking war er fast eine Ewigkeit im Vorstand des Deutschen Russischlehrerverbandes und beide k\u00e4mpften mit Ausdauer und gro\u00dfem Geschick f\u00fcr die Aufnahme des Russischen in den Sprachenkatalog, bundesweit. Johannes Baar war immer klar, dass nur durch gro\u00dfen, individuellen Einsatz in den Schulen Russisch vorangebracht werden konnte. Seine Generation hatte sich die russische Sprache fast nur im Selbststudium beigebracht und sp\u00e4ter an Schulen lediglich in Arbeitsgemeinschaften unterrichten k\u00f6nnen. Es ist f\u00fcr Hamburg vor allem auch Dr. Baar zu verdanken, dass Anfang der 70er Jahre das Russische als normale zweite (und dritte) Fremdsprache erlernt werden konnte. Die politische Lage (neue Ostpolitik Willy Brandts, 68er &#8222;Revolution&#8220;) kam dieser Entwicklung entgegen. Pl\u00f6tzlich gab es auch an einigen Unis, vor allem auch in Hamburg, die M\u00f6glichkeit, Russisch f\u00fcr das Lehramt zu studieren.<\/p>\n<p>Die meisten der damals ausgebildeten Studenten (meine Generation) werden Dr. Baar aus den Pr\u00fcfungen zum Staatsexamen erinnern. Er hat auch in den Pr\u00fcfungen gerne andere als die zur Pr\u00fcfung geh\u00f6renden Inhalte angesprochen und dabei die Pr\u00fcflinge motiviert. Wir (alten) Hamburger Russischlehrer verdanken Dr. Baar viel. Seine &#8222;Devise&#8220; war immer:<em> Neben dem Unterricht gibt es gerade im Fach Russisch eine Menge zus\u00e4tzlicher Lerninhalte (der Aspekt Krieg gegen Russland, der Mensch in seinen Traditionen und Einstellungen etc.)<\/em>. \u00dcber die Wissensvermittlung hinaus sollte den Russischlehrern die N\u00e4he zu den russischen Menschen am Herzen liegen.<\/p>\n<p>Ich bin mir sicher, dass er das erreicht hat und die meisten von uns ihm &#8222;gefolgt&#8220; sind.<\/p>\n<p>Er selbst hat nie aufgegeben, den Kontakt zur Sowjetunion, nach Russland, zu intensivieren, nicht zuletzt durch seinen nimmer m\u00fcde werdenden Einsatz f\u00fcr das Timmendorfer Sprachseminar. Dass dieses noch so lange nach seinem R\u00fcckzug aus der Organisation bestehen w\u00fcrde, war f\u00fcr ihn die gr\u00f6\u00dfte Genugtuung.<\/p>\n<p>Im Bewusstsein seiner Leistungen nehmen wir von ihm f\u00fcr immer Abschied.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Heiko Hedrich<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachrufe stellen dem Verstorbenen meist ein glorifizierendes Zeugnis aus. Man ist schnell versucht sie nicht zu lesen oder einfach nur zur Kenntnis zu nehmen. Im Nachruf f\u00fcr Dr. Johannes Baar aber liegt viel unserer eigenen (Ausbildungs-) Geschichte. Mit ihm endet eine \u00c4ra besonderer Menschlichkeit im Umgang mit Formalia, Beh\u00f6rdenb\u00fcrokratie und autorit\u00e4rem Gehabe. Er war lange im Hamburger Schulwesen und sehr lange in der Verantwortung\/Schulaufsicht f\u00fcr Gymnasien t\u00e4tig. Und doch hat er immer wieder Zeit gefunden, die Sache des Russischunterrichts voranzubringen. 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